Aldo Sohm: Der Ausnahmesommelier im Interview

by divaonline-admin

Der Tiroler Aldo Sohm ist einer der besten Sommeliers der Welt. Jetzt gibt er sein Wissen in Buchform weiter. Ein Gespräch über Champagner, Käsekrainer und traubenhaften Lesestoff.

 

Sie können sich “Bester Sommelier der Welt” nennen. Wie wird man das?
Durch Wettbewerbe. Ich habe 1998 in Österreich die Sommelierprüfung gemacht, und dann war ich bei einem Wettbewerb als Zuschauer dabei. Dort habe ich gesehen, wie das im Finale abgeht. Damals dachte ich: »Wahnsinn, wow! Das mache ich nie. Das ist ja irre, der Druck, das Adrenalin!« Aber wie heißt es so schön? Sag niemals nie! Letztendlich habe ich viermal in Österreich gewonnen, danach in Amerika -und 2008 den Titel des besten Sommeliers der Welt.

Woran erkenne ich also zumindest einen guten Sommelier?
An der richtigen Mischung aus Wissen und Leidenschaft. Wein war noch nie so in wie heute, noch nie hat sich so eine breite Masse für dieses Thema interessiert. Das macht unseren Job spannend. Ein guter Sommelier erhält sich die Begeisterung auch, wenn er schon viele Jahre lang mit Wein arbeitet. Gleichzeitig muss er am Boden bleiben, muss gut zuhören und die Kunden lesen können: Was wollen sie wirklich? Über Wein reden die Leute zwar gerne, aber das Thema kann auch einschüchtern, weil es doch kompliziert ist. Du musst einfach die gleiche Tonhöhe treffen wie der Kunde – ganz egal, wie sein Wissensstand ist.

Und wie kann ich einen schlechten Weinkellner entlarven?
Sie merken ohnehin gleich, wenn einer nicht zuhören kann, wenn er Ihnen das verkaufen will, was ihm gefallen würde, und nicht das, was der Gast will. Ein guter Sommelier versteht immer, was der Gast will. Darauf kommt es an, nicht auf etwaige Wissenslücken. Auch ein Sommelier kann beim Wein nicht alles wissen, das ist unmöglich. Aber gemeinsam mit dem Gast kann man ruhig ein bisschen mutig sein. Was soll schon passieren? Wenn die Empfehlung danebengeht, bestelle ich halt eine andere Flasche Wein

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Sie geben Ihr Weinwissen jetzt auch in Buchform weiter…
Ja. Es richtet sich vor allem an junge Leute. Da merke ich oft, da ist eine Schwellenangst da. Die trauen sich nicht nachfragen, aber sie sind neugierig. Beim Essen sind sie viel offener, beim Wein noch sehr verhalten. Jeder sorgt sich, dass er die Top-Flasche kriegt, den Top-Jahrgang. Aber -und das sei auch einmal gesagt: An einer großartigen Erfahrung hat man noch nie was gelernt, an einer schlechten Erfahrung lernt man eigentlich am meisten. Natürlich: Wenn man Geld dafür ausgibt und der Wein schmeckt einem gar nicht, dann ärgert man sich vielleicht darüber. Aber dann sollte man sich eine Notiz machen. Vielleicht macht man schnell ein Foto, speichert das in ein Album, und dann weiß man beim nächsten Mal, was einem überhaupt nicht taugt -und im anderen Fall, was einem taugt! Solche kleinen Beispiele erzähle ich im Buch, und weiters, was momentan in ist, was Natural Wine ist, welcher Wein wozu passt et cetera
. Das Buch heißt übrigens »Wine Simple« (Prestel Verlag) und soll den Wein ein bisschen entmystifizieren.

Weil vorher auch von Weinempfehlung die Rede war: Welchen Tropfen kredenzen Sie zum US-Fast-Food-Klassiker Hotdog, welchen zu unserer Käsekrainer?
Zu beiden trinke ich persönlich ein Bier. Aber um kein Spielverderber zu sein: Wenn nach Traubenhaftem verlangt wird, würde ich Champagner oder Schaumweine empfehlen. Die sollten mit beidem sehr gut gehen. Du hast das Fett, du brauchst eine Säure, du brauchst ein bisschen Zucker, und dann verkaufst du das.

Der Würstelstand Bitzinger bei der Wiener Oper sieht das ähnlich wie Sie -dort wird auch Champagner verkauft
Das würde mich nicht wundern, weil es auch super zusammenpasst. Aber ich habe es noch nie probiert, ich trinke klassischerweise Bier dazu. (lacht)

Sie könnten auch Ihren eigenen Wein dazu trinken. Wie ist der Sommelier Aldo Sohm eigentlich auch Winzer geworden?
Die Idee, selbst Wein zu machen, ist mir schon 2008 gekommen, kurz nachdem ich den »Best Sommelier«- Award gewonnen hatte. Ursprünglich wollte ich etwas in Argentinien machen, aber dort zu investieren ist ein ziemliches Abenteuer. Dann habe ich hier in New York, in Queens in einem Thailokal, den burgenländischen Winzer Gerhard Kracher getroffen und mit ihm über meine Winzerpläne zu plaudern begonnen. Nach nicht einmal einer Stunde waren wir uns einig: Wir machen etwas gemeinsam.

Wie haben Freunde und Familie reagiert?
Mein Vater hat gleich zu mir gesagt: »Das ist aber nicht ungefährlich. Das ist ein Megarisiko für dich.« Da habe ich nur geantwortet: »Geh, Papa, was willst du? Ich lebe in New York! Ich lebe an einem gefährlichen Ort!«(lacht) Zu früh gefürchtet ist auch gestorben, das ist ein Tiroler Sprichwort. Mich hat einfach die Neugierde auf mehr dazu getrieben. Wir haben mit einem Grünen Veltliner angefangen, mittlerweile sind wir bei vier. Und wir sind zu einem Weingut herangewachsen. Natürlich exportieren wir das meiste.

Ihren Veltliner gibt es im »Le Bernadin«. Aber auch in der eigenen Weinbar?
Ja -sie feiert dieser Tage übrigens fünfjähriges Bestehen. Die Idee zur Bar hatte mein Chef Eric Ripert. Und nicht nur das: Auch der Name »Aldo Sohm Wine Bar« kam von ihm. Als er mir erstmals den Namen vorgeschlagen hat, sagte ich nur: »Du weißt ganz genau, ich bin viel zu bescheiden für das!« Er erwiderte: »Ich glaube, deine Marke ist stark genug.« Aber natürlich bringt das ein Extrarisiko -denn wenn diese Sache in die Hose geht, dann auch gleich mein Name! (lacht)

 

Aldo Sohm

Aldo Sohm, Christine Muhlke

“Einfach Wein”, Der illustrierte Guide, erschienen im Prestel Verlag;
Erhältlich um € 28,- etwa bei Thalia

 

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