Designerduo Odeeh

DIVA Stilisten-Kolumne

by divaonline-admin
Odeh

Ge-MEIN-sam

Die Modedesigner Otto Drögsler und Jörg Ehrlich arbeiten seit 25 Jahre zusammen, zwölf davon für ihre eigene Marke Odeeh. Der DIVA verraten sie ihr Erfolgsrezept.

Typische Szene im Atelier, wenn s um die kleinen, dennoch großen Entscheidungen geht:

Nehmen wir das blaustichige oder doch das blasse Pink? Wie lang wird der Rock? Knielang oder leicht darüber? Soll das Kleid doch schmaler oder großzügig weit? Wie lange ist der Schlitz, wie breit die Manschette, wie groß der Knopf, wie dick das Steppgarn?

Unendlich viele Fragen, jeden Tag.

Und fast immer: Wir sind uns erst einmal nicht einig. Sehr häufig zumindest ist das so. Unser Team kennt das Spiel, diejenigen die seit Jahren dabei sind, haben sich schon daran gewöhnt. Bei den Neuen sorgt es manches mal für Verwunderung: Wie bitte? Wir dachten, ihr habt in allem den gleichen Blick? Nee, sehr häufig eben nicht, lächeln wir dann zurück.

Zu Anfang unseres Zusammen- Tuns dachten wir: Bloß kein Streit, das verunsichert. Mittlerweile denken wir: Nichts wird verheimlicht, sollen ruhig alle mitbekommen, wenn s um die Details geht. Eigentlich ist es ein gutes Zeichen. Jeder von uns hat einen eigenen Blick. Jeder muss sich immer wieder anstrengen, seine Argumente in den Ring werfen. Permanente gegenseitige Überzeugung.

Es reicht dann nicht, zu sagen: Ich will das aber so.

Ist das anstrengend? Ja, und wie! Hilft es, dass ein Kleid, eine Farbe, eine Kollektion oder ein Look am Ende besser ausschaut? Wir glauben, ja. Unbedingt sogar!

Nichts ist einsamer, als im kreativen Ego- Space alleine vor sich hin zu entwickeln, ohne Korrektiv, ohne Gegenüber. Reaktions- los sozusagen. Eine Kollektion ganz alleine machen? Fremde Vorstellung, zumindest für uns. Könnten wir gar nicht, das haben wir uns seit langem abgewöhnt. Deshalb: Viel besser so, im Dialog, im Streit, der Auseinandersetzung. Um dann zum möglichst besten Ergebnis zu kommen.

Zumindest ist das unser Trick.

Vor allem, wenn wir auf mittlerweile 25 Jahre zurückschauen, die wir jetzt schon miteinander arbeiten. Davon seit nunmehr 12 Jahren für unser eigenes Baby: ODEEH.

Eines kann man sicher sagen. Die Auseinandersetzungen über den immer wieder neuen Weg einer Kollektion, einer neuen Idee werden eher kräftiger, markanter.

Das stumpft nicht ab. Wir müssen uns immer wieder zusammenraufen und zusammenfinden. Und alle müssen damit klarkommen, irgendwie.

Fazit: Für s Beste kämpfen! Oder für das Schönste.

In jedem Fall aber: Das, was dann letztlich in der Kollektion landet, ist meistens das Ergebnis einer gemeinsamen Auseinandersetzung zwischen uns, mit unserem Team. Und dann auch mit unseren Händlern. Mode ist ein hartes Geschäft, nur das Beste gewinnt. Umso besser, wenn man schon beim Entstehen soviel wie möglich Auseinandersetzung zulässt.

Too much protection: Not good! Finden wir zumindest.

In dem scheinbar so sanften, GEMEINSAM, steckt mittendrin das MEIN. Also diese gute Portion „das bin ich“, die es braucht, damit man seinen eigenen Standpunkt formulieren kann. Ohne Ego kein gemeinsames, sicher kein besseres Ergebnis. Und ohne die Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen vom wirklich besseren Argument, erst recht nicht.

Das alles klingt nach einem grausamen Alltag? Mitnichten. Wir halten es schon lange miteinander aus. Und finden es ziemlich klasse so.

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