Im Atelier mit Deborah Sengl

by divaonline-admin
Deborah Sengl


Kann Mode Kunst sein? Welche Stellung haben Frauen in der Kunst heute? Und wie sieht der Alltag einer Künstlerin eigentlich aus? Fragen, deren Antworten die DIVA im Herzen Wiens fand.

In einem versteckten Hinterhof, der einst einmal der Wiener Werkstätte gehörte, befindet sich das Atelier der Künstlerin Deborah Sengl. Wir betreten den Altbau und tauchen sogleich mitten in die Welt der Künstlerin ein: Deborahs Skulpturen und ein Sammelsurium ausgestopfter Tiere flankieren eine beeindruckende Bibliothek an Büchern aller Art. Köcher voller farbbefleckter Pinsel und große Arbeitstische erzählen ihre ganz eigenen Geschichten. Umgeben von so viel kreativer Energie, brennt gleich die erste Frage auf der Zunge: Wie kamst du zur Kunst?

 

 

 

 

Ich habe parallel zu Kunst auch noch Biologie studiert, Genforscherin hätte mich auch interessiert. Aber ich habe mich dann für den freieren Beruf entschieden. Durch meine Eltern, die beide Künstler sind, wusste ich, worauf ich mich einlasse. Mein Nachname war mal Vorteil, mal Nachteil, aber heute habe ich mich so weit emanzipiert, dass die Leute mich als eigenständige Künstlerin wahrnehmen. Seit 1995 habe ich Ausstellungen im In- und Ausland.

Gibt es Medien, die du bevorzugst?

Meine Zeichnungen, Malereien und Skulpturen sind Mittel zum Zweck um meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Die Skulpturen sind allerdings meine Kinder. Die Zeichnungen und Bilder begleiten sie meist nur. Sie sind allerdings so aufwendig, dass ich nicht sehr viele machen kann. Ich arbeite seit über 12 Jahren mit einem Tierpräparator zusammen.

Ideen entwickle ich meist bei intensiven Gesprächen oder gemeinsamen Spaziergängen mit meinem Mann. Wenn ich es vor meinem geistigen Auge sehe, gebe ich meinem Präparator Bescheid. Dann heißt es warten. Auf meine Skulptur „Zebralöwin“ habe ich zwei Jahre lang auf ein Zebra gewartet. Es ist sehr wichtig, wo die Tiere herkommen. Das Zebra starb an Altersschwäche in einem Zoo in Deutschland. Auch wegen den folgenden Präparationsprozessen ist es nicht möglich, eine Skulptur unter einem halben Jahr zu fertigen.

 

 

 

Tiere kommen fast immer in deinen Arbeiten vor, genauso wie ein ironisches Augenzwinkern…

Tiere haben mich schon immer interessiert – lebende, und nicht nur tote. (lacht) Humor ist mir in meiner Arbeit wichtig. Meine Themen sind schon hart, damit will ich aber niemanden verschrecken. Ich ziehe die Leute an durch humorvolle Vorgehensweise, um sie dann zu bannen und damit zu zwingen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Deine Arbeiten sind immer recht gesellschaftskritisch. Wie geht es dir in Zeiten wie diesen, wo so vieles schiefläuft
. Da muss es doch eine Fülle an Themen geben.

Leider, kann man nur sagen. Mir werden nie die Themen ausgehen weil mir unsere Umwelt immer so viel Nahrung gibt. Ich gebe darauf keine Antworten, sondern interpretiere diese Geschehnisse einfach künstlerisch. Für mich ist Kunst auch ein Ventil, mit so etwas überhaupt umgehen zu können.

Kunst, die aus einer Art Schmerz geboren wird – erinnert mich sehr an Frida Kahlo, die ich verehre. Sie sagte einmal, dass in jedem ihrer Werke für immer ein Stück ihres Schmerzes steckt…

Es ist für mich so: Alles was passt in dieser Welt, kann man lobend erwähnen aber darüber gibt es nichts zu sagen. Interessanter sind eben die Dinge, die schieflaufen, denn auf die muss man hinweisen. Ich kann und will nicht missionieren, finde es aber schön, dass Kunst der Menschheit einen Spiegel vorhalten kann. Wenn einer unter 20 Leuten in meiner Kunst etwas sieht und über etwas nachdenkt, worüber er oder sie sonst nicht nachgedacht hätte, dann finde ich das ganz wunderbar.

 

 

 

 

Wie würdest du die Stellung von Frauen in der Kunstwelt derzeit beschreiben?

Immerhin wird es stärker thematisiert. Es macht aufmerksam auf dieses Defizit, das es immer gab. Ich stehe dem kritisch gegenüber. Reden ist das eine, es tatsächlich umsetzen das andere. Ich habe eine sehr starke Frau als Mutter, deswegen war es für mich immer klar, sich durchzusetzen. Trotzdem sehe ich mich nicht als Frau oder Mann sondern als Mensch, dem Dinge wichtig sind. Das ist das Grundprinzip: Sich nicht mehr nur als Geschlecht zu sehen, sondern als Menschen, die alle die gleichen Rechte und Ansprüche haben. Österreich bewegt sich im guten Mittelfeld, es ist aber noch Luft nach oben
.

Manch einer sagt das auch über Österreichs Modelandschaft. Wo wir schon beim nächsten Thema wären: Es gibt viele Designer, deren Entwürfe weg vom tragbaren und mehr in Richtung Kunstwerk gehen. Rick Owens oder Rei Kawakubo beispielsweise. Kann Mode Kunst sein?

Ich selbst habe einen sehr individuellen Stil und lasse mir nicht vorschreiben, was ich anziehen soll. Das heißt, ich kenne mich mit Trends nicht aus

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. Vor kurzem sah ich eine Doku über Alexander McQueen, die ich faszinierend fand. Ich habe danach noch mit meinem Mann darüber diskutiert weil ich Mode davor noch nie so reflektiert hatte. Mich interessierte auch: Was passiert danach mit diesen untragbaren Kleidern? Wo verwahrt man sie, wie finden sie ihren Weg ins Museum? Ich sehe durchaus Berechtigung, solche Mode als Kunst zu sehen, zumal auch viele politische Statements in solchen Kollektionen stecken. Es geht nicht nur darum, schrill zu sein und aufzufallen, sondern auch etwas damit auszudrücken.

Nicht alles was untragbar ist, ist eben gleich Kunst…

Ja, ich habe einmal einen Beitrag über die Central St.Martins Schule in London gesehen, in der sie ihren Studenten sagten, nur nichts Tragbares zu entwerfen. Da frage ich mich schon, ob das sinnhaft ist. Denn womit sollen sich diese jungen Designer dann ihren Unterhalt verdienen? Alexander McQueen ist vielleicht einer unter 1000 Modeschöpfern, der das Budget und auch die Gagen für so etwas bekam. Aber die Menschen müssen auch von etwas leben und laufen Gefahr, zu krampfhaft aus Mode Kunst machen zu wollen. In der Mode als auch in der Kunst muss man die einfachsten Grundprinzipien verstehen

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. Anatomie begreifen, wie der Körper strukturiert ist beispielsweise. Davon kann man sich dann abstrakter wegentwickeln. Man kann einem Model nicht drei Bügeleisen auf die Schultern stellen und sagen, das ist jetzt Kunst und gleichzeitig keine Ahnung von Kellerfalten oder sonst was haben. Das wäre zu leicht.

Viele können sich unter kreativem Arbeiten eben nichts vorstellen. Da gibt es viele Stigmata, mit denen man zu kämpfen hat. Hast du vielleicht schon von Leuten, die mit dieser Materie nichts anfangen konnten, Sachen gehört wie „Was machst du als Künstlerin eigentlich den ganzen Tag“?

Du hast ja keine Ahnung, was ich schon für Fragen bekommen habe (lacht). Aber das ist schon okay
. Ich kann mir unter der Arbeit eines Logistikers auch nichts vorstellen und würde ihm vielleicht ähnlich blöde Fragen stellen. Zu meiner Arbeit muss ich sagen: ich sitze nicht den ganzen Tag im Atelier und warte auf eine gute Idee. Ich bin Montag bis Freitag handwerklich aktiv, muss Mails schreiben und beantworten usw. Es ist konzentriertes Arbeiten, Vollzeit.

 

 

Deborah Sengl

„Home Story“, 2015
Präparat, Wachs, Textil bzw. Leinwand (Acryl, 200 x 300 cm)
Fotocredit: Katharina Stögmüller

 

 

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