Großes Kino: Regisseurin Marie Kreutzer im Interview

by divaonline-admin


Die Regisseurin und Drehbuchautorin Marie Kreutzer, die mit den Komödien »Was hat uns bloß so ruiniert« und »Gruber geht« zu einer der gefragtesten österreichischen Filmemacherinnen avancierte, wechselte ins ernste Fach. Ihr aktuelles Filmdrama »Der Boden unter den Füßen« polarisiert Publikum und Kritik.

Marie Kreutzers neuer Spielfilm ist ein wagemutiges Werk, das einiges riskiert und dem Publikum nicht weniger zumutet. Er geht unter die Haut und ist vor allem auch eine Zäsur im bisherigen Œuvre der Filmemacherin. Das mit Valerie Pachner, Mavie Hörbiger und Pia Hierzegger besetzte Drama über zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ist streitbar und polarisierte bei seiner Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Auf der diesjährigen Diagonale’19 in Graz feierte »Der Boden unter den Füßen« Mitte März seine Österreich- Premiere.

Ihr Film »Der Boden unter den Füßen« wurde im Februar bei der Berlinale als einziger österreichischer Film im Wettbewerb präsentiert. Wie hat sich das für Sie angefühlt?
Es werden so viele Filme eingereicht, dass es schon eine große Sache ist, wenn man für den Wettbewerb ausgewählt wird. In der Nacht vor der Premiere war ich dann auch tatsächlich sehr nervös. Ich hatte rund 16 Interviews am Tag und man bekommt vom Festival selbst wenig mit. Das Schönste für mich war, dass das gesamte Filmteam bei der Berlinale dabei war.

Ihr Film polarisiert, und es gab sehr unterschiedliche Reaktionen. Einige Medien haben gelobt, andere waren wiederum sehr kritisch. Wie geht man damit um?
Das hat sich schon beim Screening abgezeichnet. Teils waren die Menschen schockiert, weil der Film so anders war als das, was sie bisher von mir kannten. Doch nach einiger Zeit habe ich aufgehört, die negativen Kritiken zu lesen. Schön fand ich hingegen, dass es so viele Reaktionen betroffener Personen gab, die mir ihre Geschichten erzählten und sich mir öffneten

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Wie sind Sie auf das Thema gekommen? Ihr letzter Film »Was hat uns bloß so ruiniert« war ja noch eine Komödie.
Der Auslöser waren sicher meine psychisch kranke Tante und eine Unternehmensberaterin aus der Familie. Die Geschichte zu »Der Boden unter den Füßen« gab es schon lange Zeit. Dieser Film hat einfach gebraucht -möglicherweise war ich davor noch nicht so weit. Das Drehbuch dazu habe ich selber verfasst.

Sie hatten als Kind den Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Wie kamen Sie dann zum Film?
Ich wollte immer schreiben und dies auch als Beruf ausüben und bin eher durch Zufall auf das Drehbuchstudium gestoßen. Es ist ein sehr effizientes, schnörkelloses Schreiben, denn es muss sich alles in Bildern erzählen lassen. Wenn man sich darin mal gefunden hat, ist der Schritt zur Regie eine logische Konsequenz.

Es gibt nur wenige Drehbuchautorinnen. Woran liegt das?
So wie in der Regie ist es für Frauen in der Filmbranche immer noch schwieriger, sich zu behaupten. Ein wesentlicher Punkt ist, dass in den entscheidenden Positionen mehr Männer sitzen, die wiederum zu weiblichen Themen kaum Zugang haben. Da steckt mitunter gar keine böse Absicht oder Kalkül dahinter, es ist einfach eine andere Sicht auf die Welt. Junge Männer, die in die Branche drängen, haben meist mehr Selbstbewusstsein, trauen sich mehr zu. Das liegt wohl auch an ihrem Selbstwertgefühl.

Gibt es sinnvolle Ansätze, diesen Status quo zu verändern?
So wenig elegant ich eine Quote finde, ist sie dennoch notwendig
. Man kann das anhand der Fördermittel gut erkennen: Bei den Dokumentarfilmen und kleinen Budgets sind noch viele Frauen im Rennen; je höher die Budgets, umso weniger Frauen. Natürlich ist immer auch ein wenig Glück dabei

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Wer darf Ihre Drehbücher als Erster lesen?
Ausgewählte Kolleginnen und Kollegen. Es ist klüger, Filmschaffende zu fragen, mit denen man nicht gut befreundet ist, denn Freunde tendieren dazu, zu milde zu urteilen. Es gibt auch Vernetzungsveranstaltungen mit aktiven Autorinnen und Autoren, in deren Rahmen ein sehr konstruktiver Austausch möglich ist. Ein gutes Buch ist entscheidend. Darum ist es mir wichtig, ein Drehbuch so weit zu bringen, dass es als filmische Erzählung funktioniert.

Wie gehen Sie an Ihre Filme und Themen heran? Können Sie uns das etwas erläutern?
Ich gehe immer von Figuren aus und mache mir grundsätzlich mal nicht zu viele Sorgen, ob das, was ich mache, jemandem gefällt oder nicht. Lola, die Hauptfigur des Films, ist eine Frau, die alles perfekt machen will, so wie fast alle Frauen. Es hat mich interessiert, eine Frau zu zeigen, die scheinbar alles im Griff hat -und dann den Punkt, an dem ihr das Leben entgleitet.

Und wie gehen Sie das Casting an?
Wir laden sehr ausgesucht zum Casting ein. Ich muss ein bisschen verliebt sein in die Schauspielerinnen und Schauspieler, denn ich muss ihnen lange zusehen -nicht nur beim Dreh, auch danach im Schneideraum.

Sie haben in einer schwierigen Branche rasant Karriere gemacht.Wenn Sie sich selbst beschreiben würden: Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?
Hinter allem, was ich mache, stehe ich. Ich mache nichts aus Kalkül. Das Wichtigste ist, durchzuhalten und an seine Visionen zu glauben. Die meiste Zeit verbringe ich damit, ein Projekt und dessen Bedingungen zu verhandeln. Es ist mein Durchhaltevermögen, das mir hierbei hilft
. Vor meinem ersten Kinofilm habe ich Fernsehen gemacht, unter anderem auch die »Sendung ohne Namen«. Aber es kam der Punkt, wo ich mich entscheiden musste, meiner Leidenschaft zu folgen, denn da draußen wartet niemand auf dich.

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