New-York: ZURÜCK AN DIE modische SPITZE

by divaonline-admin

Die US-amerikanische Mode hat in den vergangenen Jahren wenig Aufregendes hervorgebracht, doch die Modestadt New York ist jetzt endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Diese sechs Punkte sprechen für ein Fashion-Comeback.

Von SILVIA IHRING

Noch vor einem Jahr musste sich New York einiges anhören. Die Stadt sei »over«, hieß es, die Wohnungen leer, Unternehmen pleite und Geschäfte verbarrikadiert. Und die Modeszene? Brachte schon seit Jahren kaum nennenswerte Entwicklungen oder Ideen hervor, sodass viele Redakteure zur New York Fashion Week nur noch kamen, wenn die PR von Michael Kors sie einflog. But times have changed. Kaum irgendwo wäre man gerade lieber als in der US-Metropole -und das nicht nur, weil man wieder maskenfrei im Yankees- Stadion sitzen oder sonntags um elf im Pastis den Cheeseburger mit einer Bloody Mary hinunterspülen kann. Viele Modelabels, von etablierten Mainstreamketten bis hin zu kleinen Nachwuchsdesignern, liefern wieder News, die neugierig machen und die Lust wecken, Geld auszugeben und in American Fashion zu investieren. Und die Modeentscheider in New York arbeiten hart daran, dass diese Entwicklung weitergeht. Diese sechs Punkte sprechen dafür, dass ein großes Comeback der amerikanischen Mode bevorsteht.

KANYE WEST KOOPERIERT MIT GAP

Manchmal sieht man alte Gap-Kampagnen aus den 90er-Jahren mit Spike Lee und Whoopi Goldberg und denkt sich: »Wow, das war einmal!« Doch es könnte bald wieder so sein: Die eingestaubte Modekette, in deren Geschäfte man sich in den USA eher aus Versehen beim Spaziergang durch eine Shoppingmall verirrt, lancierte Ende Juni die erste Kollektion aus einer auf zehn Jahre angelegten Kooperation mit Kanye West und seinem Label Yeezy.Diese könnte Gap die lang ersehnte 180-Grad-Wende bringen, sowohl in kreativer als auch in finanzieller Hinsicht -immerhin hat Adidas allein im Jahr 2020 mit Yeezy-Sneakers 1,7 Milliarden US-Dollar verdient.

 

INFLUENCER IM WEISSEN HAUS

Diese Art von Marketing ist in den USA unbezahlbar: Mit First Lady Dr. Jill Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris können Amerikas Designer auf zwei wichtige Frauen im Weißen Haus zählen, die ihre Rolle als Botschafterinnen für die Modeszene des Landes ernst nehmen -anders als Melania Trump, die sich lieber in Dior oder Dolce &Gabbana kleidete. Jill Biden hingegen setzte bereits bei der Amtseinführung ihres Mannes Joe mit einem türkisfarbenen Ensemble des bisher kaum bekannten New Yorker Labels Markarian ein Zeichen; zu den Feierlichkeiten am Abend trug sie dann Gabriela Hearst.

Kamala Harris wählte einen lilafarbenen Entwurf des Afroamerikaners Christopher John Rogers. Seine opulenten, farbenfrohen Designs haben ihn zu einem der vielversprechendsten Jungdesigner New Yorks gemacht. Leute aus der »Gen Z« werden sich am meisten von Harris’ Stieftochter Ella Emhoff angesprochen fühlen: Die 21-jährige Künstlerin trägt am liebsten Selbstgestricktes und modelt nun für US-Marken wie Proenza Schouler und Batsheva.

 

MET Gala: PARTY MIT BOTSCHAFT

Die einflussreichste Modenschau, die eigentlich keine Modenschau ist, ist endlich wieder zurückgekehrt: Am 13. September hat das Metropolitan Museum of Art wieder die Met Gala veranstaltet, die im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausfallen musste. Das Celebrity-Schaulaufen für das Social-Media-Theater hatte dieses Mal eine besonders hohe Symbolkraft: Gefeiert wurde die Eröffnung einer neuen Mega-Ausstellung über amerikanische Mode. »In America: A Lexicon of Fashion« wird nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern reflektieren, wie ein neues Bewusstsein für das politische Klima und Themen wie Rassismus und Gleichberechtigung amerikanische Mode prägt -vor allem dank einer neuen Designergeneration, die ihre gesellschaftliche Verantwortung ebenso ernst nimmt wie ihre kreative. Das verdient viel Platz im Museum: 2022 soll die Ausstellung um einen zweiten Teil erweitert werden.

DER LAUFSTEG LÄUFT WIEDER

Die erste große Wiedersehensparty der US-Modeszene hat im September bereits ein paar Tage vor der Met Gala stattgefunden: Die New York Fashion Week lockte wieder Gäste an, mit physischen Events, Schauen, Dinners – und wieder mehr Designern. 2017 sorgte nämlich ein Exodus amerikanischer Labels wie Altuzarra, Rodarte oder Proenza Schouler, die lieber in Paris als in New York zeigen wollten, für Unruhe.

Nun waren sie alle wieder da -auch, weil der Veranstalter IMG manchen Labels die Finanzierung der meist sehr kostspieligen Shows zugesagt hatte. Eine wiederbelebte Modewoche liegt schließlich im Interesse der Produktionsfirma, ebenso wie in jenem der Stadt: Jedes Jahr generieren die Modeevents Einnahmen von durchschnittlich 600 Millionen US-Dollar. Für September sagten also neben Rodarte und Altuzarra auch Thom Browne sowie der Vorsitzende des US-Modeverbands CFDA, Tom Ford, Modenschauen zu. Bejubelte Junglabels wie Telfar und Pyer Moss sorgten für Events und Partys, für die man sich nach so vielen Fashion-Week-freien Monaten gerne wieder in lange Menschenschlangen stellte.

»PREPPY« AUF DER STRASSE

Noch eine frühere US-Modeikone, die auf einen Wiederbelebungsversuch hofft, ist J. Crew, der Anbieter für »preppy« Poloshirts, schmale Anzüge und gut gelaunte Freizeitmode für wohlsituierte Ivy-League-Absolventen. J. Crew war vor allem in den Nullerjahren erfolgreich, dank Fans wie Michelle Obama und der geliebten Chefdesignerin Jenna Lyons. Doch die ist schon lange weg (und verkauft inzwischen Kunstwimpern); das Unternehmen musste 2018 Bankrott anmelden und taumelt seitdem unsicher durch den sehr schwierigen Markt für kommerzielle Mode im Mittelpreissegment.

Helfen soll nun ein Streetwear-Experte namens Brendon Babenzien. 14 Jahre arbeitete dieser als Design Director bei der begehrten Skatemarke Supreme, bis er mit »Noah« sein eigenes Label gründete. Luxusfirmen wie Louis Vuitton und Jil Sander haben mit Streetwear-Designern bereits sehr gute Erfahrungen gemacht -ersteres Unternehmen lässt seine Männermode von Virgil Abloh entwerfen, zweiteres holte sich mit Luke Meier ebenfalls einen Supreme-Designer ins Team. Für Babenzien spricht zudem, dass er mit Noah ein Gespür für »erwachsene« Streetwear bewiesen hat. Da gibt’s dann auch mal ein feines Cordhemd oder einen Hoodie, der zur Bundfaltenhose getragen wird -ein Mix, den man sich bei J. Crew gut vorstellen kann.

DIE ALTE GARDE GEHT VORAN

Berühmte Marken wie Tommy Hilfiger und Ralph Lauren stehen wie kaum andere für den unkomplizierten und lässigen Look amerikanischer Sportswear.

Tommy Hilfiger bemüht sich nun seit Herbst 2020 mit einer Plattform und einem Unterstützungsprogramm namens People’s Place um Aktionen und Spenden, die dabei helfen sollen, dass »Black, Indigenous and People of Color«(BIPoC) in der Modeszene stärker repräsentiert werden.

»Was BIPoC in den USA widerfährt, hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir werden unsere Plattform nutzen, um Möglichkeiten zu schaffen«, so Tommy Hilfiger.

Ralph Lauren hingegen hatte dieses Jahr mal wieder die Ehre, die Olympia-Athleten der USA einzukleiden. Und unsportliche Kunden können die Collegejacken oder Poloshirts kaufen, die Ralph Lauren gemeinsam mit der Major League Baseball entworfen hat und die vier unterschiedlichen berühmten Teams gewidmet sind: den New York Yankees, den Los Angeles Dodgers, den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals.

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