Haute Couture aus Österreich: Susanne Bisovsky im Interview

by divaonline-admin

Mit der Strecke “Illuminant” setzt Kleidermacherin Susanne Bisovsky einmal mehr Maßstäbe für Haute Couture aus Österreich. Mit der DIVA spricht sie über die Entstehung der Bilder, wie sie dem Corona Lockdown viele positive Seiten abgewinnt und zukünftige Projekte.

2020 ILLUMINANT     SUSANNE BISOVSKY – ROBE / 29-02-2020
Fotograf: Wolfgang Pohn, Styling: Johanna Bouvier, Models: Lea, Johanna, Hair&Makeup: Nicole Jaritz, Set: M.O.F.

 

Die wunderschönen  Bilder wirken fast wie Gemälde und der Betrachter taucht sofort in die unverkennbare Welt von Susanne Bisovsky, wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Eigentlich war die Fotostrecke „Illuminant“ ein reines Experiment mit unbestimmtem Ausgang. Wolfgang Pohn, der viele Shootings für mich gemacht hat, bekam völlige Freiheit und mit der kongenialen Johanna Bouvier an meiner Seite konnte eigentlich nichts schief gehen. Lediglich das Set wurde von uns penibel vorbereitet. Das Ergebnis hat dann alle überrascht und passt meiner Meinung nach perfekt in diese Zeit, ein unscharfer, melancholischer Blick in die Vergangenheit und Zukunft zugleich…

Wie haben Sie den Corona Lockdown erlebt?
Die ersten Tage waren surreal. Ich war natürlich überrascht und fassungslos. Nach einer Schrecksekunde war es aber erfrischend und befreiend. In den darauffolgenden Wochen wurden alle Dinge aufgearbeitet, alle To do-Listen abgehakt, inklusive Inventur und der Fotodokumentation von fast 1000 Produkten. Wir wussten das gar nicht, wir hatten keinen Überblick. Insofern gab es nicht so viel Gelegenheit, auf die Auswirkungen der Krise zu achten. Da wir das Haus aus arbeitseuphorischen Gründen ohnedies selten verlassen, hat sich bislang wenig verändert.

Haben Sie geschäftlich Einbußen gehabt?
Natürlich, wie viele anderen Unternehmen auch, aber darüber zu klagen ist müßig. So gut wie jeder war und ist betroffen. Meine durchwegs fast freundschaftlichen Kundenkontakte haben mich aber bislang wohlbehalten durch die dramatischen Tage getragen. Ich habe distanzhaltende, chice Mode propagiert und unser Stil-statt-Mode Konzept hat sich auch in diesen Zeiten bewährt.

Wird sich durch die Corona Krise der Zugang zu Mode verändern, wird es ein Umdenken geben?
Ich denke, dass die Krise selbst Ausdruck und Teil eines schon länger latent vorhandenen Prozesses ist. Das Alles-gleich-und-jetzt und dessen Auswirkungen müssen nun überdacht werden und das wird hoffentlich zu einem neuen Umgang mit Menschen, Produkten, Ressourcen und Prozessen führen. Anhand der abgewanderten Arzneimittelproduktion besinnt man sich wieder auf lokale Produktion. Regional heißt wieder einmal das Schlagwort, das vielleicht auch in der Mode-und Textilbranche Fuß fassen könnte. Bei Nahrungsmitteln ist das ja seit geraumer Zeit ein großes Thema. Allein das Textile hinkte angesichts der Verlockungen fernöstlicher Billigproduktion hinterher. Das könnte einer der positiven Effekte von Corona werden, dass sich auch hier etwas ändert. Wir selbst arbeiten gerade mit Joseph Koo an einer Serie von handbedruckten Blaudruck-Sommerkleidern. Die ganze Intensität der Vorbereitung, die Kraft der Indigo-Küpe und schließlich die Qualität des Druckes beweisen, dass interessante Synergien mit regionalem Handwerk möglich sind. Das kann billige, schnelle Chemie nicht.

Wie könnte ein zeitgemäßer Umgang im Fashion Business aussehen?
Vor allem durch ein Gesundschrumpfen eines völlig überdrehten Business, wo die Mode selbst nur mehr eine geringe Rolle spielt oder gespielt hat, sondern nur mehr der Behübschung einer Quote oder der Quotenrepräsentantinnen diente.

Welche Veränderungen würden Sie sich persönlich wünschen?
Interessant wäre, wenn die Kundinnen Kleidung nicht nur als rein oberflächliche Bedeckung des Körpers begreifen, sondern als Ausdruck eines Stils. Gerade jetzt werden neue Umgangsformen eingefordert, das wäre ein Chance für die perfekte Etikette und Stil.

Wird sich bei Ihrer Arbeitsweise etwas ändern?
Hans Albers singt: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ und so halte ich es auch. SUSANNE BISOVSKY steht für einen zeitlosen Stil jenseits des modischen Kurzzeitgedächtnisses. Insofern wäre es ein Faux-pas, mich jetzt zu verdrehen oder zu verbiegen.

Susanne Bisovsky ist unter anderem für ihre privaten Salon Events bekannt, bei denen die Kundinnen im intimen Rahmen einkaufen können
. Demnächst geht Ihr Virtueller Salon online. Wie passt das zusammen?

Der neue Onlineshop, der demnächst seine Pforten öffnet, ist perfekt auf die Prêt-à-porter Kundin zugeschnitten und zugleich dem distanteren Umgang in der näheren Zukunft geschuldet. Natürlich ist es mir lieber, wenn Kundinnen zu mir in den Salon kommen und natürlich wird das weiterhin so sein, denn die Haute Couture bleibt reine „Salonsache“.

Sie bezeichnen sich nicht als Modedesignerin, sondern als Kleidermacherin. Ist das Wort Mode bei Ihnen negativ besetzt?
Das Konstrukt Mode halte ich für sehr interessant. Im hysterischen Fashionbusiness fühle ich mich dagegen nicht 100%ig aufgehoben und versuche so wenig wie möglich zu kollidieren. Ich muss mir höchstwahrscheinlich eingestehen, dass ich diese Sprache einfach nicht spreche und möglicherweise auch gar nicht sprechen will. Die Salonkundinnen und ihre Beschreibungen der Salonbesuche bestärken mich darin, weil auch sie etwas jenseits der gängigen Trends und Hypes suchen. Das ehrt und freut mich natürlich.

Verfolgen Sie das Geschehen auf den internationalen Laufstegen und saisonale Trends?
Ehrlich gesagt nur relativ oberflächlich. Ab und zu kauf ich mir ein Hochglanzjournal und staune… Aber so wie wir alle bleibe auch ich nicht unbeeindruckt und unbeeinflusst von Zeitströmungen. Aber generell forsche ich ganz wo anders und meist dort, wo sonst keiner hinschaut.

Ihr spezieller Stil ist absolut unverkennbar, wie schaffen Sie es diesem so konstant treu zu bleiben und sich immer wieder aufs Neue zu inspirieren?
Bei mir ist es fast umgekehrt

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. Die Dinge, die mich schon immer fasziniert haben, halten mich in einer Art positiver Geiselhaft. Die Leidenschaft an der Materie ist so groß, dass ich ewig aus meinem Fundus und den Archiven der Geschichte schöpfen kann. Die Zeit mit all ihren Einflüssen gesellt sich schließlich als neckischer Begleiter während der Kreation hinzu.

Sie bereiten gerade ein paar spannende Kultur Projekte vor, dürfen Sie schon darüber berichten?
Im Juni dieses Jahres hätte es eine größere Präsentation meiner neuen mechanischen Mannequins im „Kubus EXPORT Der Transparente Raum“ von VALIE EXPORT in Wien geben sollen. Das wird höchstwahrscheinlich im September über die Bühne gehen. Durch den Lockdown ist einiges nach hinten verrutscht oder muss anders präsentiert werden. Ein weiteres großes Projekt wird das umfangreiche Druckwerk über die Arbeit der vergangenen 25 Jahre werden. Die Arbeit daran hat bereits begonnen und dank hochkarätiger Besetzung entwickelt sich das Ganze irgendwie zu einem Wienbuch, ob ich das will oder nicht. Das liegt wohl in der Natur der Sache. Und eine Produktion an der Staatsoper steht in der Warteschleife.

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